19.01.2011
Basisinfo
Fragen und Antworten
Bt-Mais: Sicher für Mensch und Umwelt?
Ist Bt-Mais vor seiner Zulassung gründlich auf seine Sicherheit überprüft worden?
Wie alle gentechnisch veränderten Pflanzen ist auch Bt-Mais MON810 nur zugelassen worden, weil er nachweislich genau so sicher ist wie konventioneller Mais. Dasselbe gilt für Lebens- und Futtermittel, die aus solchen Pflanzen hergestellt werden. Damit eine dafür erforderliche Sicherheitsbewertung durchgeführt werden kann, muss der Antragsteller umfangreiche Tests und Untersuchungen durchführen und die dabei gewonnenen Daten zur Prüfung vorlegen.
Warum ist der Anbau von Bt-Mais in einigen europäischen Ländern aus Sicherheitsgründen verboten, in anderen aber erlaubt?
Eine Zulassung nach den europäischen Rechtsvorschriften zur Gentechnik gilt in allen EU-Ländern. Zuständig ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die bei der wissenschaftlichen Sicherheitsbewertung von einem Gremium aus unabhängigen Experten unterstützt wird.
Eine so genannte Sicherheitsklausel erlaubt es den Mitgliedsstaaten, vorübergehend ein nationales Anbauverbot zu erlassen, wenn neue wissenschaftliche Arbeiten auf mögliche unerkannte Risiken hinweisen. Der Bt-Mais MON810 wurde bereits 1998 in der EU für den Anbau zugelassen. Seitdem haben mehrere Mitgliedsstaaten - wie auch Deutschland 2009 – unter Berufung auf die Sicherheitsklausel nationale Anbauverbote erlassen. Das zuständige wissenschaftliche Expertengremium bei der EFSA hat deshalb mehrfach über den MON810-Mais beraten. Es stellte wiederholt fest, dass es keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gebe, die Zweifel an der Sicherheitsbewertung begründen könnten. Dennoch musste bislang keines der nationalen Anbauverbote zurückgenommen werden, da es im Ministerrat nicht die erforderlichen politischen Mehrheiten gab, um die Aufhebung der Anbauverbote zu erzwingen.
Seit mehreren Jahren wird Bt-Mais MON810 weltweit auf vielen Millionen Hektar angebaut und vor allem als Futtermittel verwertet. Wissenschaftler, die sich damit beschäftigen, sind mehrheitlich der Auffassung, dass es keine schädlichen Auswirkungen gibt, weder auf die Umwelt, noch auf die Gesundheit von Menschen und Tieren.
Ist es vorstellbar, dass Bt-Mais in der Umwelt außer Kontrolle gerät?
Auch Bt-Mais ist in erster Linie Mais. Er verhält sich wie normaler Mais und besitzt auch die gleichen Inhaltsstoffe – mit einem Unterschied: Er produziert einen Wirkstoff – das Bt-Protein -, das gegen bestimmte Fraßinsekten gerichtet ist. Das Ursprungsland des Maises ist Mittelamerika. Die Züchter haben ihn an europäische Verhältnisse angepasst, so dass er hier kultiviert werden kann. Doch außerhalb bewirtschafteter Felder können Maispflanzen nicht überleben. Mais kann auch nicht in verwandte Pflanzenarten auskreuzen, da es solche in Europa nicht gibt.
Was ist, wenn sich unerwünschte Auswirkungen von Bt-Mais erst nach erfolgter Zulassung beim Anbau zeigen?
Gentechnisch veränderte Pflanzen stehen auch nach ihrer Zulassung unter Beobachtung. Nach den geltenden europäischen Rechtsvorschriften wird der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nur genehmigt, wenn zuvor ein Umwelt-Beobachtungsplan aufgestellt wurde. Mit dem „anbaubegleitenden Monitoring“ soll rechtzeitig festgestellt werden, wenn sich entgegen allen Erwartungen gv-Pflanzen negativ auf die Umwelt auswirken.

In mehreren Forschungsprojekten wurden Insekten in Bt-Mais-Parzellen und zum Vergleich in konventionellen Maisparzellen gesammelt, gezählt und bestimmt. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob sich das Artenvorkommen in den verschiedenen Maisparzellen unterscheidet. Im Bild oben wird eine Bodenfalle mit gefangenen Laufkäfern ausgeleert.
Was ist mit der Umweltsicherheit? Wenn Bt-Mais giftig für den Schädling Maiszünsler ist, können dann nicht auch andere Insekten geschädigt werden?
Anders als konventionelle Pflanzenschutzmittel hat das Bt-Protein eine hohe Wirkgenauigkeit: Es wirkt vor allem auf den jeweiligen Schädling und seine nahen Verwandten, nicht aber auf andere Insekten.
In Deutschland haben sich zahlreiche Forschungsprojekte mit der biologischen Sicherheit von Bt-Mais beschäftigt. In mehrjährigen Versuchen wurden keine Anzeichen für schädliche Auswirkungen auf Ökosystem und Artenvielfalt gefunden. Wie viele und welche Insekten und Spinnen in einem Maisfeld leben, hängt von sehr vielen Faktoren ab, etwa vom Wetter, von der Bodenbeschaffenheit, von der Jahreszeit, der Sorte. Das von den Bt-Maispflanzen gebildete Bt-Protein ist dabei ein Faktor unter vielen. Die Behandlung mit einem Insektizid hatte dagegen deutliche Auswirkungen auf das Arten-Vorkommen im Maisfeld.
2007 werteten US-amerikanische Ökologen 42 Einzeluntersuchungen über mögliche Auswirkungen von Bt-Pflanzen auf Nicht-Zielorganismenaus. Das Ergebnis: Im Vergleich mit dem Anbau von konventionellem Mais, bei dem Insektizide zur Schädlingsbekämpfung eingestzt werden, ist die Artenvielfalt auf den Bt-Maisfeldern größer.

Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge können den Pollen von Bt-Mais aufnehmen, wenn dieser auf ihren Nahrungspflanzen am Rande von Maisfeldern landet.
Der Maiszünsler, der mit Bt-Mais bekämpft wird, ist ein Schmetterling. Ist Bt-Mais dann nicht auch schädlich für andere Schmetterlinge? Bt-Mais MON810 wirkt sehr spezifisch gegen Schmetterlinge. Von daher könnte das Bt-Protein auch anderen Schmetterlingen als nur dem Maiszünsler schaden. Je nach Art sind Schmetterlinge unterschiedlich empfindlich gegenüber Bt-Protein. Doch: Nur die Larven des Maiszünslers leben und fressen in der Maispflanze. Die meisten Schmetterlinge wie etwa der Kohlweißling oder das Pfauenauge ernähren sich nicht von Mais. Zwar können sie – wenn sie in der Nähe eines Bt-Maisfeldes leben - mit Pollen von Bt-Mais in Berührung kommen. Die Mengen an MON810-Maispollen, die unter natürlichen Bedingungen von Schmetterlingen aufgenommen werden, liegen aber unterhalb der Dosis, bei der erste schädliche Wirkungen zu beobachten sind.
Bei Fütterungsversuchen im Labor reagierten die Larven von Kohlmotte, Kohlweißling und Tagpfauenaugen empfindlich auf Pollen der Bt-Mais-Linie Bt176. Mais der Linie MON810 enthält deutlich weniger Bt-Protein im Pollen. Im Laborversuch wurden Larven der Kohlmotte, die gegenüber Bt176 besonders empfindlich waren, selbst durch eine vergleichsweise hohe Dosis von achtzig Pollenkörnern nicht signifikant geschädigt.
Verschiedene Untersuchungen im Freiland konnten bislang keinen negativen Einfluss von Bt-Mais auf Schmetterlinge feststellen.
Vor einigen Jahren war in den USA eine Debatte um die schädliche Wirkung von Bt-Mais auf die beliebten Monarchfalter entbrannt. In Labor-Untersuchungen war nachgewiesen worden, dass die Larven des Monarchfalters durch Fütterung mit Bt-Maispollen geschädigt werden können. Nachfolgende Studien beschäftigten sich dann vor allem mit der Frage, wie häufig Monarchfalter unter natürlichen Bedingungen überhaupt mit Pollen von Bt-Mais in Kontakt kommen und welchen Einfluss dies auf die gesamte Monarchfalter-Population haben könnte. Es stellte sich heraus, dass nur ein kleiner Teil der Schmetterlingslarven – zwischen 0,012 und 2,5 Prozent – durch Bt-Mais akut gefährdet ist. Die Autoren der verschiedenen Studien sehen keine Gefährdung der Monarchfalter-Population.

Honigbienen, in der Mitte grün markiert die Königin
Werden Bienen durch Bt-Mais geschädigt?
Bienen können mit Bt-Protein über den Pollen in Berührung kommen. Pollen ist reich an Proteinen und wird von den Bienen zur Aufzucht ihrer Larven und Jungbienen gesammelt. Mais ist zwar für Bienen nicht besonders attraktiv – er bildet keinen Nektar -, aber als Pollenlieferant spielt er eine Rolle. Werden Bienen im Umfeld von Bt-Maisfeldern gehalten, ist es wahrscheinlich, dass sie auch Bt-Pollen sammeln.
Einer Schweizer Studie zufolge sind Honigbienenlarven dem Bt-Protein aber in weitaus geringerem Maße ausgesetzt als bisher angenommen wurde. Der aus Pollenkörnern stammende Proteinanteil macht demnach nur etwa 2,5 Prozent des Gesamtproteinbedarfs der Larven aus. Die Schweizer haben auch mögliche Auswirkungen auf die Futtersaftdrüse, die den proteinreichen Futtersaft für die Larven produziert, untersucht und keine Beeinträchtigungen gefunden.
2008 wurden in einer Metastudie US-amerikanischer Ökologen 25 von einander unabhängige Laborstudien ausgewertet. Es wurde kein Effekt auf die Überlebensrate von Honigbienen nachgewiesen.
Da die Bt-Proteinkonzentrationen, mit denen im Labor getestet wird, üblicherweise viel höher sind als sie im Freiland vorkommen, ist eine Beeinträchtigung der Bienen im natürlichen Umfeld unwahrscheinlich. Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob nicht Stressfaktoren wie Hitze oder Krankheiten, die Anfälligkeit von Bienen gegenüber Bt-Protein erhöht. In einem Projekt der Sicherheitsforschung waren Bienen, die mit Parasiten (Mikrosporidien) befallen waren, empfindlicher gegenüber Bt-Protein als gesunde Völker. Aber auch hier waren die verabreichten Toxinmengen wesentlich höher als sie unter natürlichen Bedingungen aufgenommen würden. Eine Wiederholung des Versuches steht noch aus.
Was passiert mit dem Bt-Protein, wenn es in den Boden gelangt? Kann es sich über die Jahre im Boden anreichern?
Bt-Maispflanzen geben Bt-Protein auch in den Boden ab, insbesondere durch die nach der Ernte auf dem Feld verbleibenden Pflanzenreste. Im Rahmen der Sicherheitsforschung wird seit vielen Jahren der Einfluss von Bt-Protein auf den Boden untersucht. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Bt-Konzentrationen im Boden so gering sind - im wurzelnahen Boden ist nur noch ein Tausendstel der Menge zu finden, auf die der Maiszünsler empfindlich reagiert - dass negative Auswirkungen auf Bodenorganismen wie z.B. Regenwürmer nicht zu erwarten sind.
Bt-Protein wird im Boden zügig abgebaut und reichert sich dort nicht an. Auf Feldern, auf denen drei Jahre hintereinander Bt-Mais MON810 angebaut wurde, konnte ein halbes Jahr nach der Ernte kein Bt-Protein mehr nachgewiesen werden.
Könnten beim großflächigen Anbau von Bt-Mais die Schädlinge nicht auf Dauer unempfindlich werden gegenüber dem Wirkstoff?
Wenn resistente Schädlinge auftauchen würden, bestünde die Gefahr, dass das Bt-Konzept hinfällig würde und auch klassische Bt-Präparate nicht mehr greifen. Deshalb sind für den großflächigen Anbau in den USA so genannte Refugien vorgeschrieben, Flächen auf denen weiterhin konventioneller Mais angebaut wird. Da die Resistenzgene rezessiv vererbt werden, also immer erst in der zweiten Generation zum Tragen kommen würden, können entstehende Resistenzen in den Refugienflächen wieder ausgedünnt werden. Bislang ist diese Strategie erfolgreich. Es wurden noch keine resistenten Maiszünsler gefunden.
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Bt-Mais. Fragen und Antworten
Ergebnisse

Drei Jahre lang hat ein Verbund aus elf Forschungs- projekten untersucht, wie sich Bt-Mais MON810 auf die Umwelt auswirkt. Über die Ergebnisse sprach bioSicherheit mit dem Verbundkoordinator Prof. Ingolf Schuphan von der RWTH Aachen.
Bt-Mais: Eine Belastung für den Boden?
Prof. Christoph Tebbe (vTI Braunschweig) im Gespräch mit bioSicherheit (Juli 2010)
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