Versenden

Gentechnisch veränderter Raps EU

Zulassungen, aber noch kein Anbau

Bisher wachsen auf europäischen Feldern keine gentechnisch veränderten Rapspflanzen. Die bisher erteilten Zulassungen beschränken sich hauptsächlich auf die Einfuhr von Lebensmitteln aus gv-Rapspflanzen.

Raps- Freisetzungen in der EU bis 2011

Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Raps in der EU nach Ländern
Anträge: 381
Ein Antrag kann Freisetzungen an mehreren Standorten über mehrere Jahre umfassen.

Stand: April 2011
Quelle: Joint Research Center (JRC) der europäischen Kommission

Freisetzungsversuche in der EU. Nach Mais ist Raps die Kulturpflanze mit den meisten Freisetzungsversuchenin Europa. Sie wurden vor allem in Frankreich (116), Großbritannien (106), Deutschland (40), Belgien (50) und Schweden (40) durchgeführt.

Bei den Pflanzen-Merkmalen, die über neu eingeführte Gene vermittelt werden, dominiert mit mehr als 70 Prozent der Freisetzungsversuche die Herbizidresistenz. Bei etwa einem Viertel wurden männlich sterile Rapspflanzen im Freiland getestet. Gentechnische Konzepte, die eine Sterilität vermitteln, vereinfachen die Züchtung von Hybridsorten. Eingriffe ins Stoffwechselgeschehen, die bei Raps meist eine für einen Verarbeitungszweck maßgeschneiderte Fettsäurezusammensetzung zum Ziel haben, nehmen weiter zu.

Freisetzungen in Deutschland. Seit 1994 werden Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Rapspflanzen durchgeführt. In den letzten Jahren gab es allerdings nur noch vereinzelt Freilandversuche mit gv-Raps: Das Standortregister weist zuletzt 2006 und 2007 jeweils nur einen Versuch aus.

Zulassung und Anbau in der EU

Gentechnisch veränderter Raps wird bisher in der EU landwirtschaftlich nicht genutzt - und daran wird sich kurzfristig wenig ändern. Derzeit gibt es keine gv-Rapspflanzen, die für den Anbau in der EU zugelassen sind.

  • Erlaubt ist die Einfuhr von Saaten aus drei gv-Rapslinien und ihre Verarbeitung zu Lebens- und Futtermitteln. Auf der Grundlage der wissenschaftlichen Sicherheitsbewertung durch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA wurden die Zulassungen 2007 bzw. 2009 erteilt. Nicht eingeschlossen ist der Anbau dieser Rapslinien in der EU.
  • Drei gv-Rapslinien wurden 1996-98 für den Anbau in der EU zugelassen, zwei davon nur zum Zweck der Saatgutvermehrung. Diese Zulassungen sind 2007 ausgelaufen. Anträge auf eine Erneuerung wurden nicht gestellt.
  • Weitere Anträge, gv-Rapslinien für den Anbau in der EU zuzulassen, ruhen seit mehreren Jahren. Eine Sicherheitsbewertung durch die EFSA hat noch nicht begonnen.

Anbau gv-Raps weltweit

Gentechnisch veränderter Raps wird seit Ende der 1990er Jahre in Kanada und den USA angebaut, seit 2008 auch in Australien.

2010 wurde weltweit eine Fläche von etwa sieben Millionen Hektar mit gv-Raps bewirtschaftet. Das entspricht einem Anteil von 22 Prozent der Welt-Rapserzeugung.

  • In Kanada hat sich gentechnisch veränderter Raps mit einem Flächenanteil von 94 Prozent weitgehend durchgesetzt. Die gesamte gv-Rapsfläche in Kanada betrug 2010 6,3 Millionen Hektar.
  • Auch in den USA wird überwiegend gv-Raps angebaut (Anteil 2010: 82 Prozent). Raps spielt in der amerikanischen Landwirtschaft allerdings nur eine Nebenrolle (Fläche 0,5 Millionen Hektar).
  • Nach langen Diskussionen wurde in Australien erstmals 2008/09 der Anbau von gv-Raps erlaubt. Die Flächen stiegen von 9500 Hektar auf 41.000 Hektar in der darauf folgenden Anbausaison. 2010 wurde bereits auf 133.000 Hektar gv-Raps angebaut. Der Anteil gv-Raps an der australischen Gesamterzeugung ist mit acht Prozent vergleichsweise gering.

Der derzeit landwirtschaftlich genutzte gv-Raps verfügt über das neu eingeführte Merkmal Herbizidresistenz.

Neue Züchtungsziele

In der Rapszüchtung wird sowohl mit gentechnischen wie mit anderen molekularbiologischen Verfahren daran gearbeitet, das gesamte Rapskorn als hochwertiges Grundnahrungsmittel zu nutzen.

In einem vom BMBF geförderten Verbundprojekt mit Partnern aus Wissenschaft, Züchtern und Unternehmen der verarbeitenden Industrie (NAPUS 2000) wurden u.a. transgene Rapspflanzen entwickelt, in deren Samen 80 Prozent weniger Bitterstoffe gebildet werden. Solche im Pressrückstand enthaltenden Bitterstoffe verhindern bisher eine Nutzung des hochwertigen Rapseiweißes in der menschlichen Ernährung.

Ziel eines vom BMBF geförderten Nachfolgeprojekts war es, den Bitterstoff-Gehalt weiter zu reduzieren. Die entwickelten Rapspflanzen können einen für die Herstellung der Bitterstoffe benötigten Baustein in einen anderen Stoff umwandeln, der die Pflanzen zusätzlich vor Kälte- und Salzstress schützt. Freilandversuche mit diesen gentechnisch veränderten Rapslinien wurden in Kanada durchgeführt.

Weitere im Rahmen des NAPUS2000-Projekts bearbeitete Entwicklungsziele bei Raps sind:

  • Anreicherung von Vitamin E und dem antikanzerogen wirkenden Resveratol in Rapsöl;
  • Veränderungen in der Zusammensetzung der Fettsäuren: So soll etwa der Anteil an Omega-3 Fettsäuren erhöht werden, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, die sich positiv auf den Cholesterinspiegel im Blut auswirkt und vor allem Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen soll. Herkömmlichen Rapspflanzen fehlen die erforderlichen Enzyme, um langkettige Omega-3-Fettsäuren bilden zu können. Mit klassischer Züchtung allein lässt sich dieses „Defizit“ nicht beheben. Durch Übertragen der Gene für das benötigte Enzym können neue Rapslinien mit einem erhöhten Gehalt an Omega-3 Fettsäuren entwickelt werden.

Geforscht wird auch an einer veränderten Zusammensetzung der bei der Verarbeitung in der Ölmühle entstehenden Pressrückstände, die als Tierfutter Verwendung finden. Man versucht, den Gehalt an Rohfasern zu reduzieren, da sie die Verdaulichkeit und den Futterwert mindern.

Ein weiteres Ziel ist die Erhöhung der Ölausbeute, um so die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung von Biodiesel aus Rapsöl zu erhöhen. Dazu sollen zunächst mit molekularbiologischen Verfahren die für Ölgehalt und -stoffwechsel verantwortlichen Genregionen identifiziert und in der Pflanzen-DNA lokalisiert werden.