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Umweltschonende Maiszünslerbekämpfung

Pflügen, Chemie oder Bt-Mais?

Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) ist in Deutschland ein ernstes Problem für den Maisanbau, der inzwischen 2,5 Millionen Hektar erreicht hat und weiter wächst. Bei starkem Befall kann dieser Schädling bis zu 50 Prozent Ertragsverluste verursachen. Mit Fruchtfolge, chemischen oder biologischen Mitteln ist er nur schwer zu bekämpfen und breitet sich von Jahr zu Jahr weiter in Deutschland aus. Mittlerweile entsteht jährlich ein Schaden von elf bis zwölf Millionen Euro. Welche alternativen Bekämpfungsmethoden können den Maiszünsler stoppen und wie umweltverträglich sind diese? bioSicherheit sprach dazu mit Bernd Hommel vom Julius-Kühn-Institut in Kleinmachnow.

Bernd Hommel

Dr. Bernd Hommel vom Institut für Strategien und Folgenabschätzung des Julius Kühn-Institutes in Kleinmachnow. Er ist Koordinator des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und zuständig für die Bewertung gentechnisch veränderter Pflanzen für die Ziele des integrierten Pflanzenschutzes.

Bodenerosion

Bodenerosion auf einem Maisfeld. In Deutschland gehen pro Jahr und Hektar im Durchschnitt 8 bis 9 Tonnen Boden verloren. Hält diese Entwicklung an, können auf besonders betroffenen Flächen die Ertragsverluste 15 Prozent betragen.
Foto: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG)

bioSicherheit: Bt-Mais gilt als eine wirkungsvolle Maßnahmen zur Bekämpfung des Maiszünslers. Doch Kritiker der Gentechnik sagen, er sei völlig entbehrlich. Denn durch Unterpflügen der Maisstoppeln nach der Ernte würden die Zünslerlarven effektiv abgetötet und das Maiszünslerproblem sei damit gelöst.

Bernd Hommel: In der Tat ist das saubere Unterpflügen der Maisstoppeln seit vielen Jahren eine der wichtigsten und wirkungsvollsten vorbeugenden Maßnahmen, um die Maiszünslerpopulationen niedrig zu halten. Aber auch nur dann, wenn alle Landwirte in einer Befallsregion dabei mitspielen. Schert auch nur einer aus, dann kann er genug Maiszünsler für alle seine Nachbarn produzieren. Bundesweit werden immer mehr Ackerflächen nicht gepflügt und einige Bundesländer fördern sogar diese Entwicklung. Der Maisanbau hat mittlerweile weit über zwei Millionen Hektar erreicht. Neue Sorten und die Klimaveränderungen machen Körnermaisanbau im Norden möglich. Dadurch gibt es mehr Probleme mit dem Maiszünsler.

bioSicherheit: Was sind die Beweggründe dafür, die Ackerflächen nicht zu pflügen?

Bernd Hommel: Die konservierende oder nichtwendende Bodenbearbeitung ist eine notwendige Maßnahme, um die Bodenfruchtbarkeit durch Minderung der Erosion zu erhalten und insgesamt die Ressourcen, wie z.B. Wasser und Treibstoff, zu schonen. Heute sind bereits ein Viertel der landwirtschaftlichen Flächen davon betroffen. Insbesondere auf gepflügten Maisfeldern können Bodenverluste besonders hoch sein. Der Mais wird im Frühjahr gesät, entwickelt sich relativ langsam und der Ackerboden bleibt im Frühjahr und Frühsommer überwiegend unbedeckt. Durch Regen und Wind kann dadurch der Boden einfach abgetragen werden.

bioSicherheit: Was sind die Folgen dieser Bodenerosion?

Bernd Hommel: Der Verlust der nährstoffreichen und humushaltigen obersten Bodenschicht gefährdet nachhaltig die Mehrung der Bodenfruchtbarkeit und mindert so langfristig die landwirtschaftlichen Erträge. Zudem gelangen Nährstoffe und Pflanzenschutzmittel in angrenzende Gewässer mit negativen Folgen für die Trinkwasserqualität und Biodiversität dieser Lebensräume.

bioSicherheit: Konservierende Bodenbearbeitung ist demnach ein bedeutender Beitrag für eine nachhaltige Landwirtschaft und den Schutz der Biodiversität?

Bernd Hommel: Unbedingt, und es gibt noch weitere gute Gründe für diese Art der Bodenbearbeitung. Durch das Unterpflügen von Pflanzenresten kommt es durch verstärkte mikrobielle Abbauprozesse im Boden zu einem Humusabbau und das setzt zusätzlich Kohlendioxid in die Atmosphäre frei. Der Rückgang des Gehaltes an organischer Substanz im Boden verändert zudem die Bodenstruktur sowie das Wasserspeichervermögen der Böden negativ. Durch pfluglose oder nichtwendende Bodenbearbeitung werden diese Prozesse aufgehalten und der Ackerboden bleibt von Pflanzen und Pflanzenrückständen (sog Mulchschicht) bedeckt. Das bietet auch einen deutlich besseren Lebensraum für Tiere und bereichert die Artenvielfalt. Auch Bodenorganismen wie Regenwürmer, Bodenmilben und Insekten profitieren davon. Sie schaffen Hohlräume im Boden und verbessern dadurch die Bodenstruktur und die Wasseraufnahme. Ein Nebeneffekt der konservierenden Bodenbearbeitung ist auch, dass die Landwirte deutlich weniger Treibstoff verbrauchen, denn Pflügen ist eine energieaufwändige Maßnahme.

Negativ sind dagegen Probleme mit Schädlingen wie Mäuse und Schnecken und vor allem eine oft höhere Intensität der Pflanzenschutzmittelanwendungen. Die Unkraut beseitigende Wirkung des Pfluges muss durch Herbizide kompensiert werden. Pflanzenrückstände auf dem Boden befördern die Entstehung von Krankheiten. Das Problem Maiszünsler haben wir schon erwähnt. Hier muss man zwischen konkurrierenden Zielen der Nachhaltigkeit abwägen: Erhalt der Bodenfruchtbarkeit versus Reduktion der Pflanzenschutzmittelanwendungen.

bioSicherheit: Gibt es denn außer Bt-Mais oder Pflügen noch andere Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Maiszünsler?

Bernd Hommel: Ja, aber nach meiner Einschätzung keine, die die weitere Ausbreitung des Maiszünslers effektiv aufhalten kann. Es können chemische Insektizide eingesetzt werden. Aber das ist nicht ganz einfach. Denn wenn die Larven des Maiszünslers im Juni oder Juli bekämpft werden müssen, sind die Maispflanzen bereits recht hoch. Man muss mit speziellen Stelzenfahrzeugen in die Maisfelder fahren, um den Mais nicht zu schädigen. Zudem sind solche Maßnahmen nur dann wirkungsvoll, wenn man zum richtigen Zeitpunkt den Schädling bekämpft. Kommt man zu spät, haben sich die Schädlingslarven bereits in den Mais gebohrt und eine Behandlung mit chemischen Insektiziden bleibt wirkungslos.

Auch biologische Bekämpfungsverfahren werden genutzt. Hier werden Schlupfwespen der Gattung Trichogramma im Maisfeld zwei- bis dreimal von Hand oder auch maschinell ausgebracht. Diese Tiere legen ihre Eier in die Zünslereier ab und die Wespenlarven fressen kurze Zeit später das Ei von innen her auf. Dieses an sich wirkungsvolle Verfahren wird aber vorwiegend nur in kleineren Betrieben eingesetzt, da die Methode aufwändig und teuer ist. Die Anwendung ist oft auch nur dort anzutreffen, wo die Landwirte finanzielle Unterstützung dafür bekommen - bis zu 50 Euro pro Hektar - und der Pflanzenschutzdienst den ersten Termin der Anwendung signalisiert.

Wichtig ist auch anzumerken, dass mit der Fruchtfolge dem Maiszünsler nicht beizukommen ist. Hier unterscheidet sich dieser Schädling deutlich vom Maiswurzelbohrer, einem ebenso bedeutenden Schädling im Maisanbau.

bioSicherheit: Was ziehen Sie daraus für einen Schluss?

Bernd Hommel: Man muss auf jeden Fall die richtigen Prioritäten setzten. Das vorbeugende Pflügen zur Kontrolle des Maiszünslers halte ich aus den bereits genannten Gründen für nicht mehr zeitgemäß. Probleme wie Bodenerosion werden durch die Klimaveränderung mit höheren Niederschlagsmengen noch zunehmen. Wir müssen die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig schützen. Das ist ein wichtiges Gut, dass wir an die nachfolgende Generation weitergeben müssen. Dann kann es aus meiner Sicht eben auch akzeptabel sein, resistente Sorten wie den Bt-Mais oder chemische Pflanzenschutzmittel gegen den Zünsler einzusetzen. Wir brauchen effektive Pflanzenschutzmaßnahmen, um die konservierende Bodenbearbeitung erhalten und ausdehnen zu können.

bioSicherheit: Aber eine Ausdehnung des chemischen Pflanzenschutzes kann doch auch nicht gewollt sein.

Bernd Hommel: Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck. Er sichert Erträge, die Qualität der Produkte und trägt entscheidend zur Ressourceneffizienz bei. Pflanzenschutz besteht heute aus einer Fülle von vorbeugenden und direkten Maßnahmen. Die Anwendung der chemischen Mittel steht dabei immer am Ende möglicher Lösungen. Um die Abhängigkeit vom chemischen Pflanzenschutz zu reduzieren, wird seit vielen Jahren geforscht. In den 90er Jahren wurden große Programme von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Bund und den Ländern unternommen, um den biologischen Pflanzenschutz voranzubringen. Das Ergebnis ist allerdings ernüchternd. Wir haben die Methode mit der Schlupfwespe im Mais und gute Fortschritte in der biologischen Schädlingsbekämpfung beim Anbau in Gewächshäusern. Aber für den Acker- und den Gartenbau sind noch zu wenig praktikable nichtchemische Verfahren verfügbar.

bioSicherheit: Der integrierte Pflanzenschutz soll in der Europäischen Union ab 2014 verbindlich eingeführt werden. Ein wichtiges Ziel ist dabei die Verringerung der Risiken des chemischen Pflanzenschutzes für die Gesundheit und die Umwelt z.B. ein Verlust an Biodiversität. Wie will man da vorgehen?

Bernd Hommel: In Deutschland haben wir bereits 2004 damit begonnen, über einen nationalen Aktionsplan die Risiken des Pflanzenschutzes weiter zu reduzieren. Eine wichtige Maßnahme soll dabei neben der Entwicklung wirkungsvollerer biologischer Pflanzenschutzmaßnahmen die Entwicklung und der Anbau von resistenten Sorten sein. Die Züchtung und der Anbau z.B. von schädlingsresistentem Mais ist das, was uns in dieser Situation helfen kann.

bioSicherheit: Wie sehen Sie hier die mögliche Rolle von gentechnisch verändertem Bt-Mais?

Bernd Hommel: Die Sortenresistenz steht wie die Fruchtfolge und nichtchemische Bekämpfungsverfahren im Mittelpunkt integrierter und auch ökologischer Pflanzenschutzstrategien. Dabei werden in der Züchtung neben konventionellen weltweit immer stärker gentechnische Verfahren angewendet, auf der Grundlage hoher Sicherheitsstandards entsprechende Sorten zugelassen und schon seit vielen Jahren auf mehreren Millionen Hektar angebaut. Es gibt keinen konventionellen Züchtungsansatz, den Mais gegen den Maiszünsler resistent zu machen. Die Ergebnisse der biologischen Sicherheitsforschung haben gezeigt, dass Bt-Mais - gerade auch im Vergleich mit chemischen Mitteln - keine negativen Umweltwirkungen hat. Wir können nicht auf einer Seite die hohe Bedeutung der Resistenzzüchtung betonen, und andererseits ein wichtiges Instrument zur Resistenzzüchtung ausschließen.

bioSicherheit: Sie sehen also Bt-Mais als einen wichtigen Baustein für einen integrierten Pflanzenschutz im Maisanbau?

Bernd Hommel: Ja, eine resistente Sorte sollte stets gegenüber der chemischen Alternative bevorzugt werden. Zur direkten chemischen Maiszünslerbekämpfung stehen uns heute relativ wenige Wirkstoffe zur Verfügung. Die Zulassung neuer Pflanzenschutzmittel wird zudem immer schwieriger. Wenn wir den Mais immer und immer wieder mit den gleichen Pflanzenschutzmitteln behandeln, steigt die Gefahr, dass schnell resistente Schädlinge auftreten. Am Ende steht der Landwirt ohne eine wirksame Bekämpfungsmethode da. Resistente Sorten und nichtchemische Alternativen sind auch wichtige Bestandteile für effektive Resistenzvermeidungsstrategien, um die Verfügbarkeit wirkungsvoller chemischer Mittel längerfristig zu gewährleisten.

bioSicherheit: Und der Landwirt müsste dann wieder seinen Boden pflügen, um den Maiszünsler zu bekämpfen.

Bernd Hommel: Ja, und nicht vergessen, es müssen fast alle Landwirte einer Region zum Pflügen überredet werden. Wenn nicht, dann bleibt das Risiko von Ertrags- und Qualitätsverlusten bestehen. Sie sehen, auch ohne Gentechnik spielt die Koexistenz in der Landwirtschaft eine Rolle. Die beste Strategie ist, wenn unterschiedliche Pflanzenschutzmaßnahmen abwechselnd zum Einsatz kommen. Beispielsweise in einem Jahr Anbau von schädlingsresistentem Bt-Mais, im Folgejahr dann Anbau von herkömmlichem Mais mit direkten Bekämpfungsmaßnahmen. So wechseln resistente Sorten mit biologischen oder chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen ab und eine Resistenzbildung bei den Schädlingen, sowohl gegenüber dem Bt-Mais als auch den chemischen Mitteln, kann so besser aufgehalten werden. Und, der Pflug wird nicht mehr gebraucht.

bioSicherheit: Herr Hommel, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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