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Bundesministerium für Bildung und ForschungbioSicherheit : Gentechnik - Umwelt - Pflanzen

Gentechnik: Insektenresistenz

Mit den Waffen von Bakterien gegen Fraßinsekten


Pflanzen produzieren ihre Insektizide selbst und wehren damit ihre Fraßfeinde ab. Die Gentechnik hat grundsätzlich neue Wege im Pflanzenschutz eröffnet. Mais und Baumwolle mit gentechnisch vermittelter Insektenresistenz werden in vielen Ländern bereits  großflächig angebaut.


Die Gentechnik macht es möglich: Der Wirkstoff gegen die gefräßigen Maiszünsler-Raupen  stammt ursprünglich aus einem Bakterium. Nun wird er in den Maispflanzen gebildet.


Bt- Mais: Anbau in den USA (in Mio. ha) Einige transgene Maissorten besitzen sowohl eine Bt-Resistenz gegen den Maiszünsler als auch eine Herbizidresistenz (stacked genes). Der Anteil gv-Mais am Maisanbau der USA betrug 2009 85%
Quelle: NASS (National Agricultural Statistics Service)-Report 2009

Weitere Länder, in denen Bt-Mais kommerziell angebaut wird: Kanada, Argentinien, Südafrika, Spanien, Tschechien, Rumänien, Portugal,

Deutschland: seit 1998 Versuchsanbau auf jährlich etwa 500 Hektar. 2006 erstmalig kommerzieller Anbau von Bt-Mais MON810. Seit 2009 ist der Anbau verboten.

EU-Zulassungen. In der EU sind bei Bt-Mais zwei "Events" für den Anbau zugelassen:
MON810 und T 25
Weitere Anträge sind noch nicht entschieden. Angebaut werden in der EU ausschließlich Sorten, die auf MON810 zurückgehen.

Seit Anfang des vorigen Jahrhunderts ist bekannt, dass Bacillus thuringiensis (Bt) , ein überall, vor allem im Boden vorkommendes Bakterium, eine giftige Wirkung auf bestimmte Insekten hat und sie abtötet. Ursache dafür ist das von den Bakterien gebildete Bt‑Protein ,

Wie bei allen Proteinen ist auch beim Bt-Protein die "Bauanleitung" in einer bestimmten DNA -Abfolge (Gen) verschlüsselt. Das Gen wird abgelesen und das jeweilige Protein produziert - das ist in einer Bakterienzelle nicht grundsätzlich anders als in einer Pflanze. Wird das aus Bakterien isolierte Bt-Gen in das Erbgut einer Pflanze eingeschleust, dann führen deren Zellen den "Befehl" des fremden Gens aus: Die Pflanze enthält nun selbst das Bt-Protein. Fraßinsekten, die auf Bt-Protein empfindlich reagieren, nehmen mit Pflanzenteilen den für sie tödlichen Wirkstoff auf. Wenn das Konzept funktioniert, dann brauchen gegen diese Schädlinge keine Insektizide mehr gespritzt zu werden.

Wichtigste Bt-Pflanze: Mais

Schon in den achtziger Jahren gab es erste Berichte über den Einbau von Bt-Genen in Pflanzen, zunächst bei Tabak und Tomaten. 1995 schließlich wurde die erste Bt-Pflanze, Bt-Mais, in den USA zugelassen.

Bei Mais erschien das Bt-Konzept besonders attraktiv, da es erstmals die Bekämpfung der Maiszünsler -Raupen in der Pflanze ermöglichte. Bt-Mais wird nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt insbesondere in den USA großflächig angebaut. 2009 wuchs dort auf 17 Prozent der gesamten Maisanbaufläche insektenresistenter Bt-Mais und auf weiteren 46 Prozent Bt-Mais mit einer Kombination von Insekten- und Herbizidresistenz. Auch in der EU ist der Bt-Mais MON810 für den Anbau zugelassen und wird vor allem in Spanien, Tschechien, Rumänien und Portugal kommerziell eingesetzt.

In den letzten Jahren rückte ein weiterer Maisschädling, der Westliche Maiswurzelbohrer, der sich auch in Europa kontinuierlich ausbreitet, zunehmend ins Blickfeld. Seit 2003 ist in den USA Bt-Mais gegen den Wurzelbohrer zugelassen und wird seitdem großflächig angebaut. Inzwischen sind auch Sorten auf dem Markt, die verschiedene Varianten des Bt-Proteins gegen beide Maisschädlinge kombinieren.

Bt nicht nur bei Mais

Doch nicht nur in Mais wurden Bt-Gene übertragen. Je nach den Schädlingen, die eine Pflanze abwehren soll, werden Gene für unterschiedliche Protein-Varianten übertragen, etwa:

  • Maizünsler: Bt-Protein Cry1Ab (cry=crystal protein)

  • Maiswurzelbohrer: Cry3Bb1

  • Baumwollkapselwurm : Cry1Ac

  • Kartoffelkäfer: Cry3A
     

Verteilung in der Pflanze

Bt-Pflanzen und -sorten unterscheiden sich nicht nur durch die jeweilige Variante, sondern auch durch die Menge des produzierten Bt-Proteins und dessen Verteilung in der Pflanze.

Die ersten kommerziell angebauten Bt-Maispflanzen enthielten in allen Pflanzenteilen - Pollen, Stängel, Maiskolben - hohe Bt-Protein-Mengen. Sie waren höher als notwendig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Neuere Bt-Maissorten produzieren Bt-Protein nicht nur in geringeren Mengen, sondern auch nur da, wo es benötigt wird. Heute werden Bt-Gene mit gewebespezifischen Promotoren versehen, die nur in bestimmten Pflanzenteilen "anspringen". So bildet der in den letzten Jahren entwickelte Bt-Mais gegen den Maiswurzelbohrer das Bt-Protein vor allem in den Wurzeln.

Bt-Mais: Wirkung auf Nicht-Zielorganismen

Inzwischen sind Bt-Sorten - vor allem Mais und Baumwolle - in einigen Ländern etabliert. Dennoch sind sie nicht unumstritten.

In den USA erregte eine Studie großes Aufsehen, in der Hinweise gefunden wurden, dass Pollen aus Bt-Mais die dort beliebten Monarchfalter schädigten. Die Ergebnisse der Studie basierten auf Laborversuchen, die nicht mit den tatsächlichen Verhältnissen in der Natur übereinstimmten und wurden durch nachfolgende Studien relativiert. Dennoch: Befürchtungen, dass nicht nur der jeweilige "Zielorganismus", sondern auch andere im Maisfeld lebende Organismen, geschädigt werden könnten, sind der Hintergrund für zahlreiche Projekte der Sicherheitsforschung, die sich mit der Wirkung von Bt-Mais auf Nicht-Zielorganismen beschäftigen. Eindeutige Effekte, die auf Schädigungen hindeuten, sind bisher nicht gefunden worden.

Resistenzbildung bei Maiszünsler und Maiswurzelbohrer

Dass Fraßinsekten mit der Zeit Resistenzen entwickeln gegen die eingesetzten Insektizide, ist nichts Neues. Bis auf vereinzelte Fälle ist dieses bei den klassischen Bt-Präparaten bisher nicht geschehen.  Befürchtet wird, dass ein großflächiger Anbau von Bt-Pflanzen die Resistenzbildung beschleunigt. Dadurch würde auch die Wirkung der klassischen Präparate entwertet und der ökologische Landbau ein für ihn wichtiges Pflanzenschutzmittel verlieren.

In den USA wird der Anbau von Bt-Pflanzen durch ein obligatorisches Resistenzmanagement begleitet. Danach müssen anteilig Refugien-Flächen mit konventionellen Sorten ohne Bt-Protein gepflanzt werden.

Auch bei dieser Frage zeigt sich, dass viele Befürchtungen nicht eingetreten sind. Die Resistenzbildung bei Maiszünslern gegen das Bt-Toxin scheint sich erheblich langsamer zu entwickeln als es vor einigen Jahren erwartet wurde.

Verschiedene SiFo-Projekte haben sich mit den Mechanismen der Resistenzbildung bei Maiszünsler und Westlichem Maiswurzelbohrer beschäftigt.

 

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25. Januar 2010 [nach oben springen]