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Bundesministerium für Bildung und ForschungbioSicherheit : Gentechnik - Umwelt - Pflanzen

Maiszünsler

Ein raffinierter Schädling


In Süddeutschland und im Oderbruch ist er schon weit verbreitet, in Mecklenburg-Vorpommern hat er auf seinem kontinuierlichen Weg nach Norden nun die Ostseeküste erreicht: der Maiszünsler. Der unscheinbare grau-braune Schmetterling ist ein bedeutender Maisschädling. Bei starkem Befall kann er bis zu 50 Prozent Ertragsverluste verursachen. Mit konventionellen Mitteln ist er nur schwer zu bekämpfen.


Verbreitung des Maiszünslers 2009.
Die Karte zeigt die nördliche Verbreitungsgrenze. Die Erhebungen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen für 2009 sind dabei noch nicht berücksichtigt. Für Nordrhein-Westfalen liegen erste Daten aus 2009 vor.
Grafik: transgen/i-bio


Der Lebenszyklus des Maiszünslers. Im kühleren Mitteleuropa gab es bislang nur eine Zünsler-Generation im Jahr. Inzwischen breitet sich in der Schweiz und in Baden-Württemberg eine neue Maiszünsler-Rasse aus, die zwei Generationen im Jahr hervorbringt.
Etwa ab Mitte Juni fliegen die Falter in die noch jungen Maisbestände.


An der Unterseite der Maisblätter legen die Weibchen 10-40 Eier ab. Ein Weibchen kann bis zu 50 solcher Eigelege ablegen.


Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die kleinen Raupen.
Fotos oben: Dr. R. Kaiser-Alexnat


Die Larven fressen zunächst Maispollen und nagen an jungen Blättern, dann bohren sie sich in den Stängel der noch jungen Maispflanze hinein.


Eine junge Maispflanze ist unterhalb der Blüte abgebrochen. Der Fraß der Zünsler schränkt die Wasser- und Nährstoffversorgung der Maispflanze ein. Der Stängel wird ausgehöhlt und kann leicht abknicken.


Bis zum Herbst frisst sich die Raupe im Stängel weiter nach unten.


Auch die Maiskolben können befallen werden.


Die Fraßspuren der Zünsler sind Einfallstore für Pilzsporen. Es siedeln sich Schimmelpilze an - darunter auch solche, die extrem giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine) bilden.


Die Zünsler überwintern in den Stoppeln oder im Wurzelbereich. Dort überstehen sie auch strenge Winter. Im Frühjahr verpuppen sich die Raupen, die Falter schlüpfen und der Zyklus beginnt von vorn.

European corn borer - der in Nordamerika gebräuchliche Name erinnert an die Herkunft: Der Maizünsler (Ostrinia nubilalis) stammt aus Europa und wurde um 1910 in die USA eingeschleppt. Inzwischen hat er sich weltweit in allen Maisanbaugebieten ausgebreitet.

In Deutschland ist der Maiszünsler vor allem in den Maisanbaugebieten Süddeutschlands anzutreffen, aber auch im Oderbruch und südlich von Berlin gibt es "Befallsinseln". Da er wenig natürliche Feinde hat und in den Maisfeldern ideale Lebensbedingungen vorfindet, wandert der kleine Falter seit etwa 1930 immer weiter Richtung Norden. In Mecklenburg-Vorpommern hat er inzwischen die Ostseeküste erreicht. 2006 wurde erstmals auch in Niedersachsen Maiszünsler-Befall festgestellt. Hier ist der Schädling bereits bis nach Lüchow-Dannenberg vorgedrungen. In Nordrhein-Westfalen verläuft die Befallsgrenze südlich von Münster und erreicht im Westen den Kreis Kleve bei Emmerich.
Vom Schädling nicht betroffen ist nur noch Schleswig-Holstein.

Seit 2006 breitet sich in Baden-Württemberg, südwestlich von Freiburg, eine neue Rasse des Maiszünslers aus, die zwei Generationen im Jahr durchläuft. Die erste Falter-Generation  fliegt bereits Ende Mai in die Felder ein, der zweite Falterflug ist dann zwischen Mitte Juli bis Mitte September. Durch die zweite Generation wird der Mais insbesondere durch Raupenfraß an den Kolben geschädigt. 2009 wird die Befallsfläche auf bereits etwa 8000 Hektar geschätzt.

Nach Berechnungen der früheren Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (heute Julius-Kühn-Institut) verursacht der Maiszünsler jährlich einen Schaden von 11 bis 12 Millionen Euro.

Wenig Wirkung, viel Aufwand

Es gibt verschiedene Strategien gegen den Zünsler. Ihre Nachteile: unzureichende Wirkung und ein hoher Aufwand für den Landwirt.

  • Mechanische Bekämpfung: Um das Überwintern der Raupen in Pflanzenresten und Wurzeln einzuschränken, ist es sinnvoll, die auf dem Feld verbleibenden Pflanzenreste gut zu zerkleinern und unterzupflügen. Diese Möglichkeit der Bekämpfung wird von den Landwirten vor allem in Süddeutschland umfangreich genutzt. Die unter ökologischen Gesichtspunkten erwünschten bodenschonenden, pfluglosen Anbauverfahren (z.B. Mulchsaat) fördern dagegen den Vormarsch des Zünslers.

  • Insektizide sind gegen den Maiszünsler nur in einer kurzen Zeitspanne wirksam. Sie müssen in jenen zwei bis drei Tagen gespritzt werden, welche die frisch geschlüpften Raupen brauchen, um die für sie sicheren Stängel zu erreichen. Eine Bekämpfung der fliegenden Falter vor der Eiablage mit Insektiziden ist wenig wirksam.
    Die effektivste Wirkstoffgruppe sind Pyrethroide. Sie treffen jedoch nicht nur den Zünsler, sondern auch andere Insekten. Bei Einhaltung des günstigsten Termins kann mit der chemischen Bekämpfung ein Wirkungsgrad zwischen 60 und 90 Prozent erreicht werden.

  • Biologische Verfahren: Natürliche Gegenspieler des Zünslers sind Schlupfwespen (Trichogramma ). Diese legen ihre Eier in die des Zünslers (Parasiten ), so dass darin keine Zünslerraupen, sondern Wespenlarven heranwachsen.
    Entscheidend für den Erfolg ist auch hier der richtige Zeitpunkt, zu dem die Wespeneier ausgebracht werden. Wenn daraus nach zwei bis drei Tagen die Nützlinge schlüpfen, müssen die Zünslereier auf den Maisblättern abgelegt sein.

  • Bt-Präparate: Ein klassisches, auch im Ökolandbau zulässiges Konzept ist die Verwendung von Präparaten mit Kulturen eines bestimmten Bodenbakteriums (Bt, Bacillus thuringiensis ). Die wirksame Komponente ist ein giftiges Eiweiß (Bt‑Toxin ), dass natürlicherweise von den Bakterien gebildet wird. Es zerstört die Darmwand bestimmter Fraßinsekten. Auch Bt-Präparate wirken nur, wenn sie die Zünsler außerhalb des Stängels erreichen. Wegen hoher Produktkosten und geringer Wirkungsgrade wird diese Bekämpfungsmethode nur selten angewandt.

Da es kein effektives konventionelles Konzept gibt, verzichten viele Landwirte auch in Befallsgebieten auf gezielte Maßnahmen gegen den Zünsler. Man nimmt die Ernteverluste in Kauf.

Dem Zünsler folgen die Schimmelpilze

Der Zünsler sorgt jedoch nicht nur für Ernteeinbußen. Seine Fraßspuren sind auch Einfallstore für Pilzsporen. Sie finden im Inneren des Maisstängels ideale Entwicklungsmöglichkeiten: Es siedeln sich Schimmelpilze an - darunter auch solche, die extrem giftige Stoffwechselprodukte (Mykotoxine ) bilden. Futter- und Lebensmittel aus Zünsler-befallenen Maispflanzen sind stärker mit Mykotoxinen belastet als solche aus zünslerfreien Beständen.

Bt-Mais: Eine völlig neue Strategie gegen den Zünsler hat die Gentechnik eröffnet. Durch sie wird das aus den klassischen Bt-Präparaten bekannte Toxin innerhalb der Pflanze produziert. Damit werden die Zünslerlarven auch dort angegriffen, wo sie bei allen bisherigen Konzepten sicher waren: im Inneren des Stängels.

Seit 2005 sind in Deutschland verschiedene Sorten des Bt-Maises MON810 für den Anbau zugelassen, die 1998 erteilte EU-weite Genehmigung für MON810 wurde aber im April 2009 in Deutschland ausgesetzt. Die Anbauflächen mit Bt-Mais waren zwischen 2005 und 2008 zwar kontinuierlich angestiegen und beliefen sich 2008 auf 3.171 Hektar. Das sind aber nur etwa 0,15 Prozent der gesamten Maiserzeugung.
Bt-Mais erreicht einen Wirkungsgrad von 99,9 Prozent.

 

 

 

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16. Oktober 2009 [nach oben springen]