Gv- Kartoffeln: Freisetzungen, Zulassungen, Anbau
An der Spitze: Stärke-Kartoffeln nach Maß
Seit März 2010 darf in der Europäischen Union eine gentechnisch veränderte (gv-)Kartoffel angebaut werden, deren Stärkezusammensetzung für industrielle Zwecke optimiert wurde. Gv- Kartoffeln werden seit beinahe zwei Jahrzehnten in vielen EU-Ländern im Freiland getestet. Dabei geht es vor allem um eine veränderte Stärkezusammensetzung. Die meisten Freisetzungsversuche wurden in Deutschland und den Niederlanden durchgeführt.
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Nach Mais und Raps ist die Kartoffel die Kulturpflanze mit den meisten Freisetzungsversuchen in der EU. Bis Januar 2010 wurden 291 Versuche mit Kartoffeln genehmigt, die meisten in Deutschland (76), den Niederlanden (63) und Großbritannien (41). Eingeführte MerkmaleBei der Kartoffel interessieren sich Forschungsinstitute und Unternehmen in erster Linie für Veränderungen der Stärkezusammensetzung und anderer Inhaltsstoffe. Das schlägt sich in den Freisetzungsversuchen nieder: Bei mehr als der Hälfte aller genehmigten Anträge ging es um Freilandtests mit Kartoffeln, bei denen mit gentechnischen Verfahren in denKohlenhydrat stoffwechsel eingegriffen wurde. Damit unterscheidet sich die Kartoffel deutlich von anderen Pflanzenarten. Während etwa bei Mais, Raps oder Zuckerrübe vor allem gentechnisch vermittelte Resistenzen gegen Herbizide, Schädlinge oder Krankheitserreger überwiegen, spielen diese Merkmale bei Kartoffel - zumindest in Europa - eine nachrangige Rolle. Einige Projekte beschäftigen sich mit gentechnischen Abwehr-Strategien gegen eine von vielen Landwirten gefürchtete hartnäckige Pflanzenkrankheit: den Pilz Phytophthora infestans , den Erreger der Kraut- und Knollenfäule. Seit 2006 wird eine Kartoffel, in die zwei Resistenzgene aus mexikanischen Wildkartoffeln übertragen wurden, in Schweden, den Niederlanden, Großbritannien, Deutschland und Irland im Freiland getestet. |
Freisetzungsversuche in Deutschland
1993 wurden in Niedersachsen die ersten gentechnisch veränderten Kartoffeln freigesetzt - schon damals mit Eingriffen in den Kohlenhydratstoffwechsel. Bei mehr als zwei Dritteln der bislang genehmigten Versuche wurden Kartoffeln mit veränderter Stärkezusammensetzung und neuen Inhaltsstoffen im Freiland getestet.
Im Rahmen der biologischen Sicherheitsforschung wurden Kartoffeln mit veränderten Inhaltsstoffen als Modellpflanzen im Freiland getestet. Von 2001 bis 2004 wurden Anbaueigenschaften und mögliche Umweltauswirkungen einer Kartoffel untersucht, die nicht nur Stärke, sondern auch Fruktane, Ballaststoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung bildet. Von 2005 bis 2008 beschäftigte sich ein Forschungsverbund mit einer Kartoffel, die das Carotinoid Zeaxanthin, das vor der Altersblindheit schützen soll, in ihren Knollen anreichert.
In aktuellen Forschungsprojekten werden von 2008 bis 2011 gentechnisch veränderte Kartoffeln im Freiland getestet, die in ihren Knollen Cyanophycin bilden, woraus ein biologisch abbaubarer Kunststoff gewonnen werden kann.
Zulassungen und Anbau in der EU
Seit März 2010 ist in der EU die gentechnisch veränderte Kartoffel "Amflora" sowohl für den Anbau als auch zur Verwendung als Futtermittel zugelassen. Obwohl sie ausschließlich als Rohstoff für die Stärkeindustrie gedacht ist, soll ein Teil der bei der Verarbeitung anfallenden Reststoffe als Futtermittel verwertet werden. Die von BASF Plant Science entwickelte Kartoffel liefert ausschließlich Amylopektin -Stärke, die sich für viele industrielle Anwendungszwecke besser eignet als normale Kartoffelstärke.
Weltweit
In den USA und Kanada sind vier gentechnisch veränderte Kartoffeln sowohl für den landwirtschaftlichen Anbau als auch zur Verwendung als Lebensmittel freigegeben. Alle vier produzieren aufgrund eines eingeschleusten Gens einen Abwehrstoff (Bt‑Protein ) gegen den weit verbreiteten Kartoffelkäfer (Colorado Käfer); zwei davon verfügen zusätzlich über eine Resistenz gegen Viren , die Pflanzenkrankheiten auslösen (Potyvirus Y; Blattrollvirus PLRV). 1996 wurden die ersten GVO-Kartoffeln ausgepflanzt. In den Folgejahren stiegen in den USA die Anbauflächen bis auf 25.000 Hektar an. 2001 wurde der Anbau der gv-Kartoffeln jedoch wieder eingestellt.
In Australien, Japan, Korea, auf den Philippinen und in Mexiko sind Kartoffeln als Lebens- und Futtermittel, nicht aber für den Anbau zugelassen.


