Wirkung von Bt-Toxin auf Nichtzielorganismen
Florfliegen nun doch nicht gefährdet
Mit einer neuen Testmethode konnte an der Eidgenössischen Forschungsanstalt FAL Reckenholz gezeigt werden, dass Florfliegenlarven nicht durch Bt‑Toxin geschädigt werden. Einige Jahren zuvor hatte noch eine ähnliche Studie aus dem gleichen Forschungsinstitut Hinweise auf eine direkte Schädigung der Tiere ergeben.
Ein große Sorge beim Anbau von insektenresistenten Bt -Maispflanzen sind mögliche negative Effekte auf so genannte Nicht-Zielorganismen. Dazu gehören Nützlinge wie Marienkäfer, der Ahlenläufer (ein Käfer), die gegürtelte Schwebfliege oder die Florfliege, die als "Räuber" im Feld helfen, die Zahl der Schädlinge gering zu halten.
Diese Tiere können entweder direkt z.B. durch den Pollen von Bt-Mais oder indirekt durch ihre Beutetiere, die sich von diesem Mais ernähren, in Kontakt mit dem Bt-Toxin kommen.
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Signifikante Effekte Während Untersuchungen bei den meisten Nützlingen keinerlei Schädigungen durch das Bt-Toxin nachweisen konnten, wurde vor etwa sieben Jahren in einer Studie der FAL eine höhere Sterblichkeit bei Florfliegenlarven nach direkter Fütterung mit Bt-Toxin - eingemischt in ein künstliches Nährmedium - festgestellt. Diese war im Vergleich beinahe doppelt so hoch wie bei Tieren, die nicht mit der Bt-Toxin-Nahrung gefüttert wurden. Diese Ergebnisse deuteten auf eine direkte toxische Wirkung hin. Das war sehr überraschend, da man bis dahin davon ausging, dass das Bt-Toxin nur bei Schmetterlingen wie dem Maiszünsler , einem Hauptschädling von Maispflanzen, wirksam ist. Darüber hinaus zeigte eine weitere Versuchsreihe, bei der die Florfliegenlarven mit Schmetterlingsraupen gefüttert wurden, die Bt-Mais gefressen hatten, eine ähnlich hohe Mortalität bei den Tieren. Das war ein beunruhigendes Ergebnis, da die Bt-Toxinmenge im Bt-Mais deutlich geringer ist als beim Versuch mit dem künstlichen Nährmedium. Die Vermutung war, dass das Toxin über die Nahrungskette in seiner Wirkung noch gesteigert wird. Neuer Versuch mit Bt-ZuckerlösungUm eine mögliche toxische Wirkung des Bt-Toxins auf Florfliegenlarven zu überprüfen, wurde nun von der FAL Reckenholz ein neuer Test zur direkten Fütterung der Florfliegenlarven mit Bt-Toxin entwickelt. Statt eines Kunstfutters wurde eine einfache Zuckerlösung verwendet und darin Bt-Toxin gelöst. Die Nahrungsaufnahme wurde durch Wiegen der Tiere auf einer Mikrowaage überprüft und die aufgenommene Toxinmenge mit einer biochemischen Methode bestimmt. Selbst bei einer 10.000 mal größeren Bt-Toxinmenge als sie die Florfliegenlarven beim Verzehr von mit Bt-Mais gefütterten Raupen aufnehmen würden, wurde kein schädigender Effekt auf die Tiere gefunden. Eine weitere Versuchsreihe zeigte, dass die Entwicklungszeiten der Larven im zweiten und dritten Stadium nicht durch eine Bt-Toxingabe während des ersten Larvenstadiums beeinflusst wurden. Ein dritter Versuch zeigte, dass die beiden nachfolgenden Larvenstadien durch Fütterung mit der Bt-Zuckerlösung nicht negativ beeinflusst wurden, auch wenn die Tiere zuvor im ersten Larvenstadium eine minderwertige Nahrung erhalten hatten. Bei solchen gestressten Tieren hätte man noch am ehesten negative Effekte durch das Bt-Toxin erwarten können. Verminderte Nahrungsqualität statt toxischer Wirkung?Die vormals beobachteten negativen Effekte sind nach Einschätzung der Autoren der aktuellen Studie vermutlich eher auf eine verminderte Nahrungsqualität zurückzuführen, als auf eine direkte toxische Wirkung des Bt-Toxins. Ihre Erklärungsansätze für die sehr unterschiedlichen Ergebnisse:
Blattläuse bevorzugtAuch die beobachtete hohe Mortalität bei Verzehr von mit Bt-Pflanzenmaterial gefütterten Raupen scheint demnach eher ein indirekter Effekt zu sein. Die durch den Bt-Mais vorgeschädigten Raupen sind von minderer Nahrungsqualität für die Florfliegenlarven und führen zu einem erhöhten Stress bei den Tieren. Die Vermutung, dass das Bt-Toxin in den Schmetterlingsraupen in eine aktivere Form umgewandelt werden könnte, ist wenig wahrscheinlich. Die Autoren der neuen Studie haben aus den mit Bt-Mais gefütterten Raupen das Bt-Toxin extrahiert und an Maiszünslerraupen verfüttert. Dabei wurde keine erhöhte toxische Aktivität des Bt-Toxins festgestellt. Unter natürlichen Feldbedingungen bevorzugen Florfliegenlarven ohnehin Blattläuse als Nahrung und nicht Schmetterlingsraupen. Die Blattläuse jedoch werden nicht durch das Bt-Toxin geschädigt, da diese Tiere aus einem Leitungssystem der Maispflanzen (dem Phloem) Saft saugen, das kein Bt-Toxin enthält. Eine andere Untersuchung hat zudem gezeigt, dass die Schmetterlingsraupen im Bt-Maisfeld dem Räuber in der Mehrzahl erfolgreich entfliehen können. Die Ergebnisse der aktuellen Laborexperimente werden durch fünf Feldstudien bestätigt, bei denen ebenfalls keine negativen Effekte des Bt-Maises auf Florfliegen beobachtet werden konnten. Die Forscher der FAL sehen daher keine Hinweise mehr, dass der Bt-Mais für Florfliegen ein ernstzunehmendes Risiko darstellt. |




