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Das Anbauverbot für MON810 und die nur eingeschränkte Genehmigung von Freilandversuchen sei "ein wirklich erschreckendes und abstoßendes Signal", sagte die Tübinger Genetikerin und Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard, die 1995 den Nobelpreis für Medizin erhielt.
Die von den Politkern ausgesprochenen Verbote beruhten auf wirklichkeitsfremden Tests, kritisierte die Wissenschaftlerin. Dagegen gebe es zahlreiche Untersuchungen, die von der EU, der DFG und dem Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert worden seien und keine Gefährdung von Mensch und Natur durch gentechnisch veränderten Bt-Mais festgestellt hätten. Wenn sich an solchen politisch motivierten Behinderungen nichts ändere, sei zu befürchten, dass sich viele innovative Forscher von Deutschland abwenden.
Nach Ansicht von Nüsslein-Volhard ähnelt die heutige Situation der Grünen Gentechnik der Gentechnik in der Medizin vor 25 Jahren. Auch in dieser Anfangsphase der Roten Gentechnik hätten nach politischen Entscheidungen viele Forscher Deutschland verlassen und Pharmakonzerne Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. "Inzwischen ist bei der Anwendung der Gentechnik in der Medizin Vernunft eingetreten. Aber statt aus den Fehlern zu lernen, werden sie wiederholt."
Nüsslein-Volhard wie auch die anderen Teilnehmer der Pressekonferenz verwiesen auf die globalen Herausforderungen, vor denen Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung weltweit stehen. Die Weltbevölkerung wächst weiter an. Daher sei es zwingend erforderlich, so DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer, "die Flächenproduktivität im Ackerbau zu steigern, da die weltweit verfügbaren fruchtbaren Ackerflächen nur unwesentlich vermehrt werden können." Zudem werden der Verbrauch von Biomasse für eine umweltfreundliche Energiegewinnung und die zunehmende Nachfrage der Industrie nach neuen nachwachsenden Rohstoffen absehbar zu einer Knappheit an Agrarprodukten auf den Weltmärkten führen.
Eine Maßnahme zur nachhaltigen Steigerung der Flächenproduktivität, so das Memorandum "ist der züchterische Fortschritt bei den landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Neben den klassischen Methoden der Pflanzenzüchtung bieten moderne Instrumente der Grünen Gentechnik wichtige Potenziale für eine nachhaltige Produktivitätssteigerung. Daher können wir es uns nicht leisten, auf Forschung in der Grünen Gentechnik zu verzichten."
"Um das genetische Potenzial unserer Nutzpflanzen weiter auszuschöpfen," ergänzte DFG-Präsident Matthias Kleinert, "ist vor allem Grundlagenforschung nötig, die sich des gesamten Repertoirs an modernen Züchtungsmethoden bedienen darf - nicht nur im Labor, sondern auch im Freiland. Um zu erkennen, wie sich Pflanzen unter realen Bedingungen verhalten, sind Freilandexperimente unverzichtbar."
Damit Forschung zur Grünen Gentechnik in Deutschland weiter möglich bleibt, nennt das Memorandum drei wesentliche Voraussetzungen:
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"Forschung braucht verlässliche rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Politische Entscheidungen und gesetzliche Grundlagen sollten auf wissenschaftlich fundierter Nutzen/Risiko-Abwägung basieren.
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Jede Forschung braucht ein aufgeschlossenes und kritisch-unterstützendes gesellschaftliches Klima, damit der Erfindergeist gefördert und den Herausforderungen der Zukunft begegnet werden kann. Dies sollte auch für die Forschung zur Grünen Gentechnik gelten.
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Forschung an Pflanzen kann nicht auf Labore und Gewächshäuser beschränkt werden. Dies gilt für die Grundlagenforschung ebenso wie für die anwendungsorientierte Forschung. Ob neue Produkte unbedenklich und wettbewerbsfähig sind, lässt sich nur unter natürlichen Bedingungen im Freiland erforschen. Auch ganz grundlegende pflanzliche Prozesse können nur verstanden werden, wenn die Relevanz der im Labor und Gewächshaus erhaltenen Ergebnisse in der natürlichen Umwelt überprüft wird."
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