Maiswurzelbohrer in Deutschland
Ein neuer Schädling im Maisanbau:
Bekämpfung mit Nebenwirkungen
Noch sind es erst einzelne Tiere, doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er auch in Deutschland zu einem Problem für den Maisanbau wird: der Maiswurzelbohrer. In Nordamerika, aber auch in vielen Ländern Süd- und Osteuropas breitet sich der Käfer rasant aus. Wenn er sich erst einmal etabliert hat, ist er nicht einfach zu bekämpfen. Im Frühjahr starben in Südwestdeutschland zahlreiche Bienenvölker. Die Ursache: Eine unsachgemäße Beizung des Maissaatguts. Die Behörden hatten die Maßnahme angeordnet, um die weitere Ausbreitung des Maiswurzelbohrers (Diabrotica virgifera) aufzuhalten.
Zwischen Juli und September, der Hauptflugzeit des Maiswurzelbohrers , werden in vielen deutschen Maisanbaugebieten Lockstofffallen aufgestellt. Nach den ersten Funden 2007 in der Nähe von Freiburg wurden im Juli dieses Jahres in Bayern, Baden-Württemberg und dem benachbarten Elsass zahlreiche Käfer gefangen. Um der befürchteten schnellen Ausbreitung des neuen Schädlings in Südbaden und weiten Teilen Deutschlands entgegen zu wirken, leiteten die Behörden sofortige Bekämpfungsmaßnahmen ein: Neben einer Insektizidbehandlung gegen die erwachsenen Käfer wurden um die Fundorte Befalls- und Sicherheitszonen ausgewiesen. Je nach Anzahl der beobachteten Käfer müssen die Landwirte verschiedene Auflagen einhalten, die bis zu einem ein- bis zweijährigen Verzicht auf den Maisanbau in der Fruchtfolge reichen.
Gentechnisch veränderter Mais:
In den USA das Mittel der Wahl gegen Maiswurzelbohrer
Seit 2003 sind auf dem amerikanischen Markt gentechnisch veränderte Maissorten verfügbar, die ähnlich wie bei dem bekannten Konzept gegen den Maiszünsler eine bestimmte Variante des Bt‑Toxins bilden, die spezifisch gegen die Larven des Wurzelbohrers wirkt. Mittlerweile sind zahlreiche Sorten erhältlich, die eine Kombination von Resistenzen gegen beide Schädlinge sowie eine Herbizidtoleranz besitzen. 2007 wiesen bereits 40 bis 45 Prozent der angebauten Maispflanzen solche Mehrfach-Resistenzen aus.
Die neuen gv-Linien zeigen vor allem gute Erfolge gegen die Larven des Käfers, die große Schäden an den Maiswurzeln verursachen. Der ausgewachsene Käfer frisst dagegen an den Blättern und vor allem an den Staubfäden und vermindert dadurch die Kornausbildung. Diese Schäden fallen dort weniger ins Gewicht.
In Europa finden erste Freisetzungen mit Diabrotica-resistenten Linien statt, so unter anderem in Spanien, Osteuropa und Deutschland. Mit einer Markteinführung solcher Sorten in Europa wird jedoch in den nächsten Jahren nicht zu rechnen sein.
Maisanbau: Auf Diabrotica einstellen
Derzeit sind in Deutschland nur einzelne, zugeflogene Käfer beobachtet worden. Die bisher ergriffenen amtlichen Sofortmaßnahmen wie die Insektizidspritzung gegen den Käfer, die Ausweisung von Zonen mit zeitlich begrenzten Maisanbauverboten oder die Empfehlungen einer speziellen Beizung des Maissaatgutes zielen darauf ab, einer Ansiedlung und damit dem Populationsaufbau des Maiswurzelbohrers vorzubeugen.
Nach Aussagen von Fachleuten wird dessen Ausbreitung in Europa jedoch nicht aufgehalten werden können. Der Maisanbau wird sich auf den Schädling einstellen müssen und in naher Zukunft geeignete Bekämpfungsstrategien benötigen. Die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass Diabrotica-resistente Maissorten ein wirkungsvolles Mittel sein können, die Larven direkt an der Wurzel zu bekämpfen. Solange solche gv-Sorten in Europa nicht zum Anbau zugelassen sind, kommen die Beizung des Maissaatgutes mit insektiziden Wirkstoffen oder die Ausbringung von Bodeninsektiziden als Alternativen in Frage.
Eine Auflockerung der Maisfruchtfolge mit Getreide oder Blattfrüchten würde zwar die Hauptfutterquelle des Diabrotica-Käfers unterbrechen, doch allein kann eine solche Maßnahme allenfalls den Schädlingsdruck mindern und die Ertragsausfälle reduzieren. Eine Ausrottung des Schädlings ist damit nicht möglich.
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