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Kathrin Mendler, Studentin der Agrarwirtschaft im 8. Semester und Sprecherin der
studentischen Initiative
Stellungnahmen von Studierenden der
Agrarwirtschaft:

Jan-Bernd Krieger,
7. Semester
"Dass sich ein Konzern finanziell am Forschungsprojekt der Hochschule beteiligt,
heißt noch lange nicht, dass nicht objektiv geforscht wird. Wer als Zuhörer bei
der Podiumsdiskussion über die Gentechnik teilgenommen hat, konnte sich auch
hiervon überzeugen. Die einzigen, die nicht sachlich geblieben sind, waren die
Gentechnik-Gegner. Und solche Personen, die durch rechtlich sehr fragwürdige
Aktionen Forschungen behindern oder auch zerstören, werden durch den Abbruch
der Versuche nur weiter gestärkt."

Thomas Stehle,
8. Semester
"Im Bereich der Gentechnik, besonders bei der grünen Gentechnik, gibt es noch
viele offene Fragen und Risiken. Obwohl ich persönlich gentechnisch veränderte
Produkte meide, muss ich feststellen, dass die Produktion weltweit rasant
zunimmt. Ich befürchte, dass die Gewinnerwartungen der Firmen einen Einfluss auf
die von ihnen veröffentlichten Forschungsergebnisse haben. Deshalb möchte ich
eine von den Firmen unabhängige Forschung, die meiner Meinung nach nur von
Hochschulen und Universitäten beziehungsweise der öffentlichen Hand geleistet werden kann."

Felix Grebhardt,
8. Semester
"Freiheit von Forschung und Lehre sind für mich unantastbare Grundrechte, die es
in unserem Staat zu schützen gilt. Wenn diese Rechte mit Füßen getreten werden,
dann sollte man sich dagegen zur Wehr setzen. Die Gentechnik kann, muss aber
nicht, zur Schlüsseltechnologie im 21. Jahrhundert avancieren. Hier gilt es für
Deutschland im Bereich der Forschung den Anschluss zur Spitze zu halten, um auch
in Zukunft im globalen Wettbewerb bestehen zu können."

Beate Roser,
8. Semester
"Es kann und darf nicht sein, dass an einer Hochschule die Forschung gestoppt
wird, nur weil diese umstritten ist. Forschung ist immer ein Gebiet der
Kontroversen und nur auf diesem Wege ist Fortschritt möglich. An Hochschulen
kann dies auf unabhängige Weise geschehen. Gerade beim Thema Gentechnik ist die
unabhängige Forschung wichtig. Wobei ich persönlich dieser Forschung nur
zustimmen kann, wenn sie unter strengsten Sicherheitsbestimmungen, vor allem im
Freiland, durchgeführt wird."

Andreas Seeger,
8. Semester
"Ich finde das Besetzen des Feldes war eine unüberlegte und strafbare Aktion.
Wenn nicht an einer Hochschule unabhängige Forschung betrieben wird, wo dann?
Durch solche Aktionen wird bezweckt, dass nur noch große Gentechnik-Konzerne
Forschung betreiben."
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bioSicherheit: Anfang April haben
Gentechnik-Gegner ein Versuchsfeld der HfWU besetzt und für wissenschaftliche
Freisetzungsexperimente weitgehend unbrauchbar gemacht. Was halten Sie von
dieser Form des Protestes?
Kathrin Mendler: Schon die Jahre zuvor sind die
Felder zerstört worden, indem der Mais nach der Aussaat niedergetrampelt und
ausgerissen wurde. Es ist wichtig, dass Menschen ihre Meinung frei äußern, doch
auf diese Art und Weise finde ich es absolut nicht in Ordnung. Man kann doch
seinen Willen nicht durch die Beschädigung fremden Eigentums versuchen
durchzubringen. Es ärgert mich, dass man so mit dem Eigentum anderer umgeht, um
dann zu behaupten, es sei alles rechtens. Die Forschung wird durch die
Zerstörung der Versuche eingeschränkt und hinterher beschweren sich genau diese
Leute, dass dieser Themenbereich nicht ausreichend erforscht ist.
bioSicherheit: Die Feldbesetzer sehen in ihren
Handlungen ein legitimes demokratisches Mittel, für ihre Überzeugung einzustehen. Sie sprechen von "friedlichem Protest".
Kathrin Mendler: Für mich ist "friedlich" etwas
anderes als Äcker und Pflanzen zu zerstören. Sicher war es friedlich. Sie haben
niemanden verletzt. Aber ich finde, fremdes Eigentum zu besetzen und zu
zerstören, hat nichts mit Demokratie zu tun. Uns Studenten hat auch die Art und
Weise, wie die Besetzer mit dem Acker umgegangen sind, sehr gestört. Vielleicht
haben Sie die Bilder im Internet gesehen. Da wurden Gräben um den Turm herum
ausgehoben, um eine Fahrrad-Ralley-Strecke zu errichten. Der Boden ist durch
Trittbelastungen und die Fahrzeuge stark verdichtet. Das sorgt immer noch für
Unmut unter den Studenten.
bioSicherheit: Die HfWU hat dem Druck der
Protestgruppen nachgegeben und das Forschungsprojekt eingestellt, um einen
"Imageschaden" abzuwenden. Können Sie die Haltung der Hochschulleitung
nachvollziehen?
Kathrin Mendler: Meine persönliche Meinung ist,
dass der Abbruch des Forschungsprojektes dem Image viel mehr geschadet hat. Die
Bevölkerung und eigentlich auch die Studenten haben von den internen
Diskussionen zu diesem Thema nie etwas mitbekommen. In der Öffentlichkeit sieht
man jetzt nur, dass die Versuche innerhalb kürzester Zeit abgebrochen wurden,
nur weil es ein bisschen Widerstand gab. Und dieser Widerstand in Form der
Feldbesetzung kam weder von unseren Studenten noch von Menschen aus der Gegend,
sondern aus ganz Deutschland. Ich denke, und das hört man auch von anderen
Studenten, dass der Stopp der Forschung unter diesen Umständen nicht gerade
von Standhaftigkeit zeugt. Auf der anderen Seite kann ich die Hochschulleitung
auch verstehen. Es ist jedes Jahr das Gleiche. Der Druck der Protestgruppen war
diesmal besonders hoch. Trotz allem hätte man die Versuche nicht stoppen dürfen.
bioSicherheit: Sie haben gemeinsam mit anderen
Studenten einen offenen Brief an die Hochschulleitung verfasst. Was war Inhalt
des Briefes?
Kathrin Mendler: Wir wollten darauf aufmerksam
machen, dass wir nicht damit einverstanden sind, dass aufgrund des Drucks durch
die Feldbesetzer und Teile der Öffentlichkeit die Forschung eingestellt wird.
Wir sind überzeugt, dass die Hochschulen eine der wenigen Institutionen sind,
die im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften unvoreingenommen forschen können.
Obwohl wir nur sehr wenig Zeit hatten und sicher noch mehr unterschrieben
hätten, haben trotzdem von etwa 240 Agrarwirtschaftsstudenten 160
unterschrieben. Auch jetzt, knapp zwei Wochen nach unserer Briefübergabe an die
Hochschule, ist das Ganze noch ein Hauptthema unter den Studenten. Ich denke,
das macht die enorme Wichtigkeit deutlich.
bioSicherheit: An der HfWU dürfen künftig keine
Freisetzungsexperimente mit gv-Pflanzen mehr durchgeführt werden. Was bedeutet
das in der Praxis für Sie als angehende Agrarwissenschaftlerin?
Kathrin Mendler: Der Versuchsanbau in
Oberboihingen war Wissenschaft zum Anfassen. Wir haben dort mit Professor Dr.
Schier Übungen gemacht und konnten sehen, wie konventionelle Pflanzen aufgrund
der Beschädigungen durch die Larve des Maiszünslers mit Pilzen befallen waren.
Auf der anderen Seite waren die gentechnisch veränderten Pflanzen, die keinerlei
Zünslerbefall hatten. Diese Pflanzen waren sichtlich vitaler und der Pilzbefall
um einiges geringer. Ich denke, Professor Dr. Schier wird zwar weiter in seinen
Vorlesungen Gentechnik lehren, weil es ein wichtiger Bestandteil des aktuellen
Pflanzenbaus ist, aber man sieht es nur noch auf Bildern. Man kann es nicht mehr
anfassen.
bioSicherheit: Die Feldversuche der HfWU wurden ja
nicht zum ersten Mal zerstört. Hatte das Auswirkungen auf Forschung und Lehre?
Kathrin Mendler: Seit ich hier an der Hochschule
bin wurde eigentlich jedes Jahr zumindest ein Teil der Versuche zerstört. Das
bedeutet, dass die Versuche nur zum Teil ausgewertet werden können. Das ist
natürlich schade. Wir Studenten würden schon gerne wissen, wie groß die
Unterschiede zwischen konventionellem und gentechnisch verändertem Mais nun
wirklich sind.
bioSicherheit: Die Gentechnik-Gegner setzen ihr
Anliegen durch Feldbesetzungen medienwirksam in Szene und erreichen damit viel
Aufmerksamkeit. Können Sie sich als Studenten und angehende Wissenschaftler mit
ihren Argumenten in die Debatte einbringen?
Kathrin Mendler: Nein. Wir bekommen nicht die
gleiche Aufmerksamkeit. Der offene Brief wurde von uns an einige lokale
Zeitungen weitergeleitet und bei der Briefübergabe war neben der lokalen Presse
sogar ein regionales Fernsehteam dabei, das ein paar Tage zuvor mehrere Berichte
über die Besetzer ausgestrahlt hat. Im Fernsehen kam nicht einmal ein kleiner
Bericht und auch sonst wurde unsere Aktion in den Medien immer nur am Rande
erwähnt. Und dieses Wenige, was geschrieben wurde, war auch noch falsch. Wir
haben weder für noch gegen Gentechnik Stellung bezogen, sondern uns nur für die
Versuche eingesetzt. Trotzdem stand überall in der Presse, dass die Studenten
für Gentechnik sind. Unsere Aussagen wurden völlig verzerrt dargestellt. Die
Medien haben uns eigentlich auf die Seite der Befürworter gestellt, obwohl das
so gar nicht stimmt. Den Brief haben nämlich auch Studenten unterschrieben, die
von ihrer Überzeugung her gegen Gentechnik, aber für die Forschung sind. |