Untersuchung über Resistenzbildung bei sechs Schädlingen
Baumwollschädling entwickelt Resistenz gegen Bt-Pflanzen: "Evolution in Aktion"
Seit mehr als zehn Jahren werden weltweit auf Millionen von Hektar gentechnisch veränderte Mais- und Baumwollpflanzen angebaut. Nun haben offenbar erstmals Schadinsekten in freier Natur Resistenzen gegen das in solchen Pflanzen gebildete Bt-Toxin entwickelt: Baumwollkapselbohrer, die zwischen 2003 und 2006 in den USA gefunden wurden, waren deutlich weniger empfindlicher als Jahre zuvor. Bei allen anderen untersuchten Baumwoll- und Maisschädlingen erwies sich das Bt-Toxin als unverändert wirksam.
Der bekannte Insektenforscher Bruce E. Tabashnik von der Universität in Tucson (Arizona, USA) beschäftigt sich mit der Frage, ob das in Mais- und Bauwollpflanzen verwendete Bt‑Toxin bei den jeweiligen "Zielorganismen" - verschiede Fraßinsekten - zur Entwicklung von Resistenzen führt. Dass Schädlinge nach einiger Zeit den gegen sie gerichteten Wirkstoff "knacken" und unempfindlicher werden, ist nicht überraschend. Auch eine züchterisch verbesserte Widerstandskraft einer neuen Pflanzensorte hält in der Regel nur eine begrenzte Zeit.
Bislang keine Resistenz beim Maiszünsler
Die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in Deutschland kommerziell angebaut wird, ist Bt-Mais. Die Ergebnisse zum Baumwollkapselbohrer lassen sich nicht einfach auf den Maiszünsler übertragen. Bei diesem Schädling wird eine mögliche Resistenzentwicklung seit Jahren beobachtet. Zwischen 2001 und 2003 untersuchte eine Arbeitsgruppe des Instituts für Biologischen Pflanzenschutz der BBA (Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, seit 2008 Julius Kühn-Institut, JKI) in Darmstadt Maiszünslerpopulationen in Bt-Maisfeldern im Rahmen der BMBF-geförderten biologischen Sicherheitsforschung. Dabei wurde im Anbaugebiet Oderbruch kein resistentes Tier gefunden. Auch Tabashnik konnte - wie schon bei einer ähnlichen Studie aus 2003 - keinen einzigen resistenten Maiszünsler entdecken.
Wirksames Resistenzmanagement
In den USA und Kanada sind beim Anbau von Bt-Pflanzen Maßnahmen vorgeschrieben, die eine Entstehung resistenter Schädlingspopulationen vermeiden sollen. So sind Rückzugsflächen (Refugien ) anzulegen, die mit konventionellen Pflanzen bebaut werden. Dort sollen sich unverändert Bt-empfindliche Schadinsekten vermehren, die sich mit möglicherweise resistenten Individuen paaren. Tabashniks Ergebnisse zeigen, das sich Resistenzen gegen Bt-Baumwollkapsel dort am schnellsten entwickeln, wo der Anteil der Refugienflächen am geringsten ist.
Außerdem weisen die Ergebnisse aus Sicht von Tabashnik darauf hin, dass Bt-Pflanzen das Bt-Toxin in weitaus höheren Mengen enthalten sollten, als es zum Abtöten nicht-resistenter Insekten erforderlich wäre. So wird sichergestellt, dass auch die moderat resistenten Tiere noch sterben. (High dose/Refuge-Strategie).
Eine weitere Strategie zur Vermeidung von Resistenzen ist der Anbau von Pflanzen mit mehreren verschiedenen Bt-Wirkstoffen innerhalb der Pflanze. Wenn einzelne Schädlinge gegen den einen Wirkstoff resistent werden, wäre der andere Wirkstoff immer noch wirksam. Eine Resistenzentwicklung gegen beide Wirkstoffe gleichzeitig ist äußerst unwahrscheinlich.
In Deutschland gibt es noch keine verbindlichen Vorschriften für das Resistenzmanagement bei Bt-Mais. Doch: Bisher wird Bt-Mais nur auf einem geringen Flächenanteil angebaut.
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