Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Weizen
Ein raffiniertes Konzept gegen Weizenflugbrand
Brandpilze befallen Weizen und andere Getreidearten. Sie verbreiten sich über die Samen und sind vor allem in Entwicklungsländern ein Problem, wo Kleinbauern einen Teil der Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr verwenden. Wissenschaftler aus Zürich haben Weizenpflanzen entwickelt, die sich selbst gegen solche Krankheiten schützen können. Sie nutzen dazu ein natürliches Abwehrsystem aus Mais.
2009 wurde auf Versuchsflächen in Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) und Üplingen (Sachsen-Anhalt) untersucht, ob das neue Konzept gegen Weizenflugbrand sich auch unter Feldbedingungen als wirksam erweist.
Entwickelt wurde der Weizen von einer Arbeitsgruppe um Christof Sautter an der ETH Zürich. Ihr Ziel war es, ein in Maispflanzen vorkommendes biologisches Prinzip zu nutzen, um damit die Widerstandsfähigkeit von Weizen gegen Brandpilze, etwa Weizenflugbrand (Ustilago tritici) oder Stinkbrand (Tilletia caries) zu erhöhen. Diese Pflanzenparasiten befallen Getreide und verbreiten sich über die Samen. Vor allem bei der Saatguterzeugung können sie Probleme bereiten.
Freilandtest unter realistischen Bedingungen
Erste Tests im Gewächshaus zeigten, dass das Konzept funktioniert und Pilzinfektionen abmildern kann. Bereits 1999 stellte Sautter bei den Schweizer Behörden den Antrag, den entwickelten gv-Weizen auch unter Freilandbedingungen zu testen. Es folgten jahrelange erbitterte Diskussionen, Proteste, Klagen und am Ende die Genehmigung eines Kleinversuchs unter extremen Auflagen: So wurden die einzelnen Kleinparzellen durch wetterfeste Pollenschutzzelte abgedichtet und der Boden nach Ende des Versuchs abgetragen und bei 120 Grad Celsius sterilisiert. Ganze acht Quadratmeter waren mit dem gv-Weizen bepflanzt.
Die 2009 in Thulendorf und Üplingen durchgeführten Versuche waren ähnlich. Unter natürlichen Umweltbedingen wurde das Wachstums des Pilzes und das Widerstandsverhalten der Weizenpflanzen beobachtet werden. Bei dem Kleinversuch 2004 in der Schweiz war das nur eingeschränkt möglich.
Der Versuchsaufbau bestand aus verschiedenen Parzellen mit jeweils fünf Varianten: zwei gv-Weizenlinien, die das KP4-Protein bilden, den beiden isogenen Vergleichslinien (ohne das KP4-Gen) und einer konventionelle Weizensorte, die gegenüber Brandpilz-Infektionen weniger anfällig ist. Bei allen fünf Weizenlinien wurde jeweils unbehandeltes Saatgut ausgebracht und solches, das mit Weizenflugbrand infiziert wurde.
Untersucht wurde nicht nur das Verhalten der verschiedenen Weizenlinien bei Befall mit Brandpilzen, sondern auch, wie das in den gv-Weizenlinien enthaltene KP4-Protein auf andere - pathogene wie nützliche - Pilze wirkt. So leben etwa im Wurzelbereich der Weizenpflanzen verschiedene Pilze, welche die Nährstoffversorgung der Pflanzen verbessern. In erster Linie ging es bei den Versuchen um Erkenntnisse über die Funktionsweise des neuen Resistenzkonzepts. Es ist nicht daran gedacht, den bei den Versuchen verwendeten KP4-Weizen kommerziell zu nutzen.
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